Hey, ich bin Oliver! Ich habe irgendwas mit Medien gelernt, lebe in Freiburg, beschäftige mich beruflich mit Energie und fahre Rad.



#projectipadonly

Schnitzkurs im Erzgebirge.

Wer wie ich im Vogtland aufgewachsen, Kind traditionsbewusster Eltern und ein wenig kreativ veranlagt ist, der musste früher oder später mit dem Schnitzen in Berührung kommen. Vor allem in der Weihnachtszeit ist die vogtländische (und die sehr ähnliche erzgebirgische) Sagenwelt bevölkert von zahlreichen aus Holz gefertigten Figuren. Bergmänner und Engel stehen im Fenster, kleine Tiere und Männchen verschiedenster Gewerke drehen sich auf Pyramiden, Nussknacker und Räuchermänner zieren Regale und Kommoden. Und dann ist da noch der Moosmann, eine Sagengestallt des Vogtlandes. Über und über bedeckt mit Moos, nicht gerade groß, schon recht alt und vor allem gutherzig (was sich in der Regel in seinen Gesichtszügen äußert), findet man ihn in hundertfachen Interpretaionen. Aus Ton modelliert, aus Holz gedrechselt oder eben, wie ich finde am schönsten, geschnitzt.

Das ist, in sehr groben Zügen, der Grund warum ich in der letzten Woche einen Schitzkurs im Erzgebirge, genauer in der Volkskunstschule im Schloss Schwarzenberg, besuchte. Und was soll ich sagen, es war phantastisch. Nachdem ich die erste Stunde recht hilflos an meinem vorgesägten Holzblock herum gestemmt habe, kam mit dem erkennen erster Formen recht schnell große Euphorie auf. Mit jedem Schritt lernte ich neue Werkzeuge und das Material Holz – in meinem Fall wunderbar weiches Lindenholz – besser kennen. Unter der fachmännischen Anleitung unseres großartigen und überaus sympathischen Dozenten Hartmut Rademann, schnitze ich innerhalb der ersten beiden Tage meine erste Figur – einen Fuchs! Auch wenn er am Ende nicht ganz so aussah wie ich ihn mir vorgestellt habe – was jedoch an meinem mangelnden dreidimensionalen Vorstellungsvermögen lag – war und bin ich mit dem Ergebnis doch ziemlich glücklich.

In den verbleibenden drei Tagen widmete ich mich Figur Nr. 2 – einem Bären. Die Form des Holzes erforderte zunächst einmal eine Anpassung meiner Vorstellungen. Und weil das noch nicht genügte, sollte der Bär nun auch noch in dynamischerer Pose daherkommen. Man merkt, meine Ansprüche stiegen schnell! Also Skizze raus und rumgescribbelt. Mit dem Wissen der ersten Tage, einem weiteren Werkzeug – das wie für meine Hände geschaffen war und den Hilfestellungen von Herrn Rademann (der mit vier gekonnten Schnitten die Grundzüge des Bärenkopfes modellierte) wurde, mit dem unaufhaltsam näherrückenden Ende des Kurses, aus einem “leblosen” Holzklotz ein dynamisch um die Ecke schleichender Bär.

Eine Woche liegt der Schnitzurlaub nun zurück, der Alltag hat mich wieder – doch meinen Bären nehme ich fast täglich zur Hand und freue mich auf den nächsten Kurs im Herbst 2016. Doch bis dahin wird sicher ein Schnitzbock in unsere Wohnung einziehen.


 

#status

  1. Ohne eine anstehende Prüfung im Nacken lebt es sich leichter. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich meine erste Klausur in Psychologie – und damit ein halbes Jahr Fernstudium – gegen die Wand gefahren habe. An diesem Punkt greift dann ein Abwehrmechanismus aus der Psychoanalyse, die Verdrängung.
  2. Zum Jahresbeginn bin ich voller Elan in ein veganes Experiment gestartet. Doch vor einigen Wochen habe ich dann doch wieder in ein Fleischkäse-Brötchen gebissen. Nicht weil ich Fleisch vermisst hätte oder es sonderlich gut schmecken würde (das tat es ganz und gar nicht). Es war nur so wunderbar einfach und ohne großen zeitlichen Aufwand zu besorgen wie zu verspeißen. Die Zeit die ich mir Anfangs für Frühstück, zur Mittagspause oder am Abend für die Zubereitung von frischem Essen ohne tierische Erzeugnisse genommen habe, war irgendwann nicht mehr vorhanden (siehe Punkt 1). Und schließlich ist nichts einfacher als in alte Gewohnheiten zurückzufallen. 
    Ich habe allerdings auch festgestellt, dass es rein vegan – aufgrund meiner Fruktoseintoleranz – nicht geht. Aber zumindest vegetarische Ernährung muss drin sein. Ich versuche es wieder.
  3. Wann immer ein Zusteller von DHL, UPS, Hermes oder DPD ein Paket mittlerer Größe bei uns abgibt, ist mir ein fragend-vorwurfsvoller Blick meines Liebsten sicher. Denn meist befindet sich darin eine neue alte Kamera. Doch seit November des letzten Jahres konnte ich der Versuchung widerstehen. Ich habe sogar kürzlich meine leider defekte Leica M3 verkauft und das “gewonnene” Geld nicht weiter investiert. Überhaupt bin ich derzeit sehr glücklich mit vier Kameras – drei analogen und einer digitalen –, plane ein kleines Fotoprojekt mit der Yashica T4 und werde demnächst (endlich) die zweite Ausgabe von Random Exposures und dazu ein kleines Nordsee-Special veröffentlichen.

 

On the way to a smarter watch →


 

Helmpflicht für Radfahrer.

Hätte man mich Mitte letzten Jahres, als das Thema groß diskutiert wurde, nach meiner Meinung zur Helmpflicht für Fahrradfahrer gefragt, hätte ich gesagt, dass das jeder für sich entscheiden muss. Schließlich trage ich selbst äußerst selten einen Helm und möchte mich auch ungern dazu nötigen lassen. Was soll denn schon passieren? Immerhin sitze ich seit meinem vierten Lebensjahr auf einem Fahrrad. Noch nie ist mir etwas passiert. Auch der Bundesgerichtshof entschied schlussendlich im Sinne der helmlosen Radfahrer.

Diese Meinung galt bis zum gestrigen Sonntag. Genauer bis kurz nach 8 Uhr morgens, als ich von einem Anruf aus der Notaufnahme geweckt wurde und man mir mitteilte, das mein Freund auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall mit dem Fahrrad hatte. Seinem Helm ist zu verdanken, dass er bereits gestern Abend – zwar mit einem gebrochenen Arm und einem leichten Schädel-Hirn-Trauma, aber dennoch ziemlich fit – wieder zuhause auf der Couch saß.

Meine Meinung zum Thema Helmpflicht habe ich nun kurzfristig etwas nachjustiert und heute morgen bin ich mit Helm zur Arbeit gefahren.


 

Die Schwiegereltern bereisen die USA und wir hüten Haus und Hund. Das bedeutet zwei Wochen mit minimaler Ausrüstung “arbeiten”, lernen und leben: iPad, Bluetooth-Tastatur und Fujifilm X10. Das muss reichen.


 

30 Minuten, ein paar Schrauben und Winkel und fertig ist der Steh(schreib)tisch!

Standing Desk (IKEA Hack)

Wenn man täglich acht Stunden im Büro und zuhause auch einige Zeit sitzend vor dem Computer verbringt, dann ist das erwiesenermaßen nicht gesund. Optimal wäre ein ausgewogener Mix aus Stehen und Sitzen. Doch alle fünf Minuten zum Drucker laufen ist auch nicht die Lösung (dann beschwert sich das Controlling über das erhöhte Druckaufkommen) und einen höhenverstellbaren Schreibtisch wird mir mein Arbeitgeber so schnell sicher nicht zur Verfügung stellen. Die “alten” Möbel sind schließlich noch gut! 

Um zumindest ein bisschen Abwechslung in meine Schreibtischtätigkeit zu bringen, habe ich heute Abend in weniger als 30 Minuten – nur mit ein paar Schrauben, Winkeln und einem Akkuschrauber – meinen Schreibtisch zum Stehtisch umfunktioniert (und ihn ganz nebenbei auch mal wieder aufgeräumt).

Das Experiment “Arbeiten im Stehen” kann damit losgehen. Dieser Artikel und die beiden Mails davor gingen schon mal ordentlich in die Beine!


 

Anwendungsorientierung.

Ein zweiter Grund ist, dass sich die akademische Psychologie in Deutschland traditionell – und im Unterschied zu den USA und Großbritannien – weit weniger sozialwissenschaftlich und anwendungsorientiert, sondern stärker naturwissenschaftlich und forschungsorientiert ausgerichtet hat (Lück, 2002).

Mit großen Schritten geht es auf die erste Prüfung meines Psychologie(teilzeit)studiums zu und ich bin derzeit – für meine Verhältnisse – sehr fleißig am lernen. Was mich beim Lesen der Studienbriefe und Bücher jedoch ab und an einholt, spiegelt sich in obigem Zitat wieder: die mangelnde Anwendungsorientierung. Wann immer es die Autoren schaffen, auf ihre hoch wissenschaftlichen Abhandlungen eine konkrete Verbindung zur Praxis zu schaffen, mache ich innerlich einen kleinen Freudensprung.


 

Jeder soll gehen dürfen, wann er will →

Jeder sollte so aus dem Leben gehen dürfen, wie er möchte. Selbstbestimmt, oder sich dem hingebend, was ist. Denn wer sind wir, dass wir, die wir nicht in denselben Schuhen gelaufen sind, über einen anderen entscheiden oder seine Entscheidung beurteilen dürften?

Das Thema Sterbehilfe gehört bei uns Zuhause zu den heiß diskutierten. Wann immer es aufkommt – durch einen Zeitungsartikel, eine Dokumentation oder durch Studium und Arbeit meines Freundes – könnten unsere Meinungen nicht unterschiedlicher sein.

Ohne jemals auch nur annähernd in einer ähnlichen Situation gewesen zu sein, vertrete ich dennoch die Meinung des verlinkten Artikels. Niemand sollte sich anmaßen, sich über einen Menschen mit dem ausdrücklichen Wunsch zu sterben hinwegzusetzen. Denn wer kann von sich behaupten, besser zu wissen wie sich ein schwer an Multiple Sklerose erkrankter Mensch fühlt? Oder wie sich der Alltag mit schwersten Depressionen anfühlt?

Damit möchte ich nicht sagen, dass nicht alles menschenmögliche getan werden sollte, um den Tod eines geliebten Menschen zu verhindern. Dies sollte jedoch nicht aus egoistischen Gründen geschehen. Das wiederum setzt eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema Krankheit und Tod voraus, welche in unserer Gesellschaft selten über die Dauer einer Talkshow hinaus geschieht.

Nachtrag

Wie ich nun feststelle, heißt der Artikel auf ZEIT ONLINE inzwischen nicht mehr “Jeder soll gehen dürfen, wann er will” sondern “Was bleibt”. Außerdem beginnt er nun mit einer Entschuldigung der Redaktion: “Er widerspricht der redaktionellen Linie von ZEIT ONLINE im Umgang mit dem Thema Suizid. Und er vermittelt ein falsches Bild von psychischen Erkrankungen und den heutigen Behandlungsmöglichkeiten.” Dies finde ich äußerst schade und rückt den Artikel meiner Meinung nach in ein falsches Licht. Der Artikel thematisiert eben nicht die Behandlungsmöglichkeiten psychischer Erkrankungen sondern, mit den persönlichen Worten einer Mutter die ihre Tochter verloren hat, die Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod.


 

Brug 34.

Da saßen wir, in dem kleinen gemütlichen Café Brug 34. Es war früher Abend und wir schon erschöpft von unserem zweiten Tag in Amsterdam. Ich bestellte Ingwertee und einen Brownie, mein Liebster Kaffee und einen Cookie. Während wir warteten schob sich die untergehende Sonne durch zwei eng stehende Häuser an den Krachten. 

Beim Blick durch das beschlagene Fenster, in dem sich die verschwommenen Silhouetten der vorbei eilenden Menschen kontrastlos abhoben, entstand sofort ein Bild in meinem Kopf. Die M3 lag auf dem Tisch und ganz selbstverständlich griff ich nach ihr, justierte Blende und Belichtungszeit, blickte durch den Sucher und drückte ab. Zu langsam. Ein banger Moment. Der nächste Passant eilte vorbei. Klick. Treffer. Und die Sonne verschwand.

Nun, fast drei Wochen später, scanne ich das Negativ und sitze wieder im Brug 34. Alles ist wieder da. Danke Fotografie, danke Leica und danke fotografischer Film!


 

Dieses Blog wird mit 💙 und WordPress betrieben. Gecodet – auf Basis von UIkit – und getextet wird ausschließlich mit einem iPad . Impressum. 🏳️‍🌈

Hey, ich bin Oliver! Ich habe irgendwas mit Medien gelernt, lebe in Freiburg, beschäftige mich beruflich mit Energie und fahre Rad.



#projectipadonly