Hey, ich bin Oliver! Ich habe irgendwas mit Medien gelernt, lebe in Freiburg, beschäftige mich beruflich mit Energie und fahre Rad.



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Leserbrief: „Über Umzug nachdenken“ →

Als Anwohner des Emmendinger Marktplatzes platzt mir langsam der Kragen, wenn ich von den “leidgeprüften Anwohnern der Hebelstraße” lesen muss, die nun schon wieder auf die Barrikaden gehen, weil Christoph Römmler mit seinem Festival einen Tag mehr zur kulturellen Vielfalt dieser Stadt beitragen möchte.

Zum Vergleich: Auf dem Marktplatz gibt es an vier Tagen im Jahr den Künstlermarkt, es gibt einen Gesundheitstag, die Emmendinger Nacht, zwei Musiknächte, das Härdepfl-Feschd, den Radmarkt und den Brettlemarkt, nicht zu vergessen das viertägige Weinfest oder die Eisbahn mit Weihnachtsmarkt über mehrere Wochen. Als Überraschung am Sonntag morgen, steht auch schon mal die Emmendinger Stadtmusik vorm Fenster, es gastiert das SWR-Pfännle oder die Feuerwehr präsentiert sich oder die Lebenshilfe … oder oder oder.

Da fragt man sich doch, worüber sich die Hebelstraßenbewohner eigentlich beschweren? Nicht, dass ich in deren Kanon einsteigen möchte. Im Gegenteil! Ich möchte darum bitten, sich einmal vor Augen zu führen, was uns diese kleine Stadt alles bietet und was das System am laufen hält. Damit meine ich nicht nur das kulturelle Angebot – auch die Geschäfte, Cafés und Restaurants. Wovon würden sie leben, wenn nicht jedes zweite oder dritte Wochenende Hunderte, wenn nicht Tausende Besucher nach Emmendingen kommen würden. Allein vom Umsatz, den die Hebelstraßenbewohner bescheren, sicher nicht.

Wer früh raus muss (wie mein Partner im Übrigen auch), dem empfehle ich Ohropax oder doch einmal über einen Umzug in eine ähnlich große Stadt nachzudenken, in der es eine Veranstaltungsvielfalt, wie sie uns Emmendingen bietet, nicht gibt. Aber nicht wundern, wenn dort die Innenstadt verwaist ist, man sein Bier allein am Küchentisch trinken muss und die nächste Bäckerei 10 Autominuten entfernt ist.

Ich dachte immer, das Alter in dem man Leserbriefe an die Lokalzeitung richtet, würde ich erst in einigen Jahrzehnten erreichen. Tja, falsch gedacht, diese Woche schrieb ich den ersten Leserbrief meines Lebens. Und kaum zwei Stunden nach Veröffentlichung kommen schon zahlreiche Reaktionen aus der ganzen Stadt. Bleibt abzuwarten bis man sich mit Heugabeln vor unserem Fenster versammelt.


 

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