Zurück zum gedruckten Buch!

Ich hab es ungefähr ein halbes Jahr geschaft keine neuen (gedruckten) Bücher zu kaufen, denn mein Vorsatz war es, künftig nur noch digital zu lesen. Seit es den deutschen Kindle-Store gibt, war das Vorhaben zunächst auch gesichert – ich mag das digitale Lesen, schätze seine Vorzüge – das geringe Gewicht beim Lesen und Umziehen, der superschnelle Kauf zu allen Tageszeiten, das Markieren von grandiosen Textstellen, der Zugriff auf kostenfreie Werke … – und habe in den letzten Monaten soviel gelesen wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr!

Dennoch erkläre ich meinen Vorsatz nun für gescheitert und schuld ist Harry Potter! Auf Platz zwei der Liste der Schuldigen ist mein nicht überwindbares Verlangen nach Haptik. Ich liebe es einfach Bücher nicht nur zu lesen, sondern auch zu fühlen und zu riechen. Wenn der Kindle also eines Tages die Oberflächen von verschiedenen Papieren simulieren kann, ebenso wie man z.B. die Schriftgröße umstellt, oder man den Geruch des Buches zwischen den Optionen Antiquariat und druckfrisch wählen kann, dann bräuchte ich keine gedruckten Bücher mehr. Bis dahin werden digitale wie analoge Bücher in friedlicher Koexistenz von mir gelesen werden.

Warum ist Harry Potter eigentlich schuld an allem? Weil ich seit Monaten und schon lang vor den Ankündigungen zu Pottermore die Bücher ein zweites, drittes oder viertes Mal lesen wollte. Jedoch alle meine (gedruckten) Bücher derzeit aus Platzgründen in Kisten verpackt in einem Lager liegen. Ich aus diesem Grund letztes Wochenende nicht widerstehen konnte und in einem Antiquariat den zweiten Band für ganze 3 Euro erwarb, seitdem die Finger nicht mehr vom Buch lassen kann und es mit mir herumtrage wie einen Schatz! Außerdem erinnerte ich mich an die Nächte, in denen es kurz nach zwölf an der Tür klingelte, man dem Postboten das Paket aus der Hand riss, den Inhalt bis in den Morgen verschlang und schließlich glücklich über einem Buch einschlief.

Abgesehen davon, dass man eine solche Nacht, in der die Post eine Buch-Spezial-Lieferung durchführen wird, vermutlich nicht noch einmal erleben wird, stelle ich mir das ganze auf dem Kindle wenig aufregend vor:

Punkt 12 Uhr: ”Sync & Check for Items”
Sekunden später: ”Oh toll, das neue …-Buch ist da.”

26. September 2011 | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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